Einige Wochen musste eisern Stillschweigen gewahrt werden. Doch seit heute um 11 Uhr ist es offiziell: „Grenzgeschichten“, die interaktive Lernlandschaft des Grenzmuseums Schifflersgrund, ist für den renommierten Grimme Online Award 2025 in der Kategorie „Wissen und Bildung“ nominiert. Das Team der Gedenkstätte wurde bereits Mitte Juli darüber informiert und von der Nachricht sichtlich überrascht. „Wir wussten gar nicht, dass wir als Vorschlag eingereicht wurden“, bekannte Anne Vaupel-Meier, die im Grenzmuseum für die historisch-politische Vermittlungsarbeit zuständig ist und das Projekt leitete. „Umso größer ist natürlich die Freude, zumal die Auswahl riesig und hochkarätig besetzt war. Von bundesweit mehr als 500 Einreichungen wurden nur 28 in den Kreis der Nominierten aufgenommen.“
Jetzt heißt es abwarten und Daumen drücken. Am 8. Oktober 2025 findet die Preisverleihung statt. Dann kürt die Jury die Gewinner. Außerdem wird bei der Veranstaltung der Publikumspreis an das Angebot vergeben, das beim Online-Voting die meisten Stimmen erhält. Bis zum 1. Oktober um 23.59 Uhr ist eine Abstimmung unter www.grimme-online-award.de/voting möglich. „Wir sind natürlich für jede Unterstützung dankbar“, so Dr. Christian Stöber, der Leiter des Grenzmuseums Schifflersgrund, der das Projekt wissenschaftlich begleitete. „Unabhängig davon, ob wir letztlich zu den Preisträgern zählen, ist allein jetzt schon die Nominierung ein Ritterschlag, der uns und alle Beteiligten stolz macht. Und ein Ansporn, auch in Zukunft innovative und zeitgemäße Formate für die Geschichtsvermittlung und Demokratiebildung zu entwickeln.“
„Grenzgeschichten“ wurde bereits 2024 mit dem DigAMus-Award als eines der besten digitalen Museumsprojekte in Deutschland ausgezeichnet. Im Rahmen einer 360-Grad-Tour können dabei zehn Orte entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze zwischen Hessen und Thüringen erkundet werden. Man erfährt, wie das DDR-Grenzregime funktionierte und welche Auswirkungen die Grenze auf das Leben der Menschen in Ost und West hatte. Über 100 historische Quellen wurden dafür aufbereitet, darunter Zeitzeugengespräche, historische Filme, Experteninterviews, Dokumente und Fotografien. Die virtuelle Lernlandschaft bietet jungen Menschen einen leichten Einstieg in die Geschichte der Grenze und kann zur Vor- und Nachbereitung eines Museumsbesuches genutzt werden.
Zudem bietet das Grenzmuseum für Schülergruppen dazu Workshops ab Klassenstufe neun an. Und auch vor Ort können die Gedenkstättenbesucher seit kurzem in die digitale Lernwelt eintauchen. So befindet sich jetzt im Eingangsgebäude des Museums eine neue große Medienstation, die durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und aus Spendenmitteln der Erbengemeinschaft Heimpel gefördert wurde.
Mit dem Grimme Online Award werden seit dem Jahr 2001 vom Grimme-Institut qualitativ hochwertige publizistische Online-Angebote ausgezeichnet, die sich an die allgemeine Öffentlichkeit richten. In vier Kategorien werden insgesamt maximal acht Preise vergeben. In der Rubrik „Wissen und Bildung“, in der die virtuelle Entdeckungstour des Grenzmuseums nominiert ist, zeichnet das Institut beispielhafte Angebote aus, die der Vermittlung von allgemein relevanten Wissensinhalten dienen und einen Beitrag für gesellschaftliche Bildung, Beratung und Aufklärung leisten. Eine unabhängige interdisziplinäre Nominierungskommission und Jury – Journalisten, Medienwissenschaftler, Internet-Experten und Fachleute aus Kultur und Bildung – bewerten sowohl inhaltliche, funktionale als auch gestalterische Aspekte. Sie orientieren sich bei der Beurteilung an onlinespezifischen Bewertungsmaßstäben. Zudem spielen auch journalistische Qualität, soziale Verantwortung und gesellschaftliche Relevanz eine Rolle.
