Pressemitteilung vom 8. November 2002

Der 9. November: Mahnen - Erinnern - Warnen

Kultusminister Dr. Michael Krapp wird morgen auf einer Gedenkveranstaltung im Grenzmuseum "Schifflersgrund" gemeinsam mit der Kasseler Regierungspräsidentin, Frau Oda Scheibelhuber, eine Gedenkstele enthüllen.

Mit Blick auf den morgigen Tag erinnert der Minister an die Ereignisse, die sich in den letzten 84 Jahren in Deutschland an einem 9. November* ereigneten.

"Fragen wir danach, was uns noch heute betrifft und betroffen macht, wo wir Wirkungen aushalten müssen und Lasten weitertragen?" Antworten, so Krapp, gebe der 9. November dreifach, nämlich als Tag, der mahnen will, erinnern soll und auch warnen muss.

"M a h n e n, weil wir mit unseren historischen Erfahrungen oft leichtfertig umgehen und eine 'vergessliche Nation' sind, wie Roman Herzog einmal sagte. Wir neigen dazu, die bitteren Lektionen unserer Geschichte schneller als andere Völker ad acta zu legen und zur Tagesordnung überzugehen.
E r i n n e r n sollten wir uns immer wieder daran, dass unsere geschichtlichen Wurzeln weiter zurück reichen, als das manches Kurzzeitgedächtnis in schnelllebiger Zeit wahrhaben möchte. Ohne Erinnerung haben wir keine Zukunft, wer seine Vergangenheit nicht kennt, kommt in der Gegenwart nicht an.
W a r n e n müssen wir vor der fahrlässigen Annahme, die 'bösen Geister' der Vergangenheit seien längst verschwunden. Denn wo sich von neuem Radikalismus, Hass und Gewalt zeigen, dort darf unser demokratisch verfasstes Gemeinwesen nicht wegschauen."

Minister Krapp würdigte im Vorfeld der Veranstaltung die Rolle der Grenzmuseen am ehemaligen Todesstreifen als Orte gegen das Vergessen, als Orte der Warnung und vor allem als Orte der politischen Bildung. Auch künftig sei es unverzichtbar, die junge Generation mit den Wirkungen und Lasten wichtiger Ereignisse der deutschen Geschichte vertraut zu machen.


* (1918 - Ausrufung der deutschen Republik durch Philip Scheidemann, 1923 - Putschversuch Hitlers, 1938 - Reichspogromnacht, 1989 - Maueröffnung)